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Tom Thomas

„WIR KOMMEN WIEDER!“

Von null auf hundert auf null und wieder von vorne: Ein Vollblut-Gastronom und Unternehmer wie Tom Thomas lässt sich von der Corona-Krise nicht in die Knie zwingen. Der Kölner ist bereits mitten in der Durchführung von Veranstaltungen in der „neuen Normalität“.

Text: Jan-Peter Wulf, Fotos: Sabrina Weniger
fizzz 7/2020

Ich hätte auch nicht gedacht, dass so etwas passieren kann. Das ist schon surreal“, sagt Tom Thomas am Telefon. Mit „so etwas“ meint er natürlich die Corona-Krise, was auch sonst. Sein Business hat es wirklich hart getroffen: Seine drei Kölner Clubs „Bootshaus“, „Vanity“ und „Flamingo Royal“ sind weiterhin geschlossen, die beiden für 2020 geplanten Festivals „Blacklist“ und „Nibirii“ wurden abgesagt, zum Gesprächszeitpunkt ebenso noch zu ist sein italienisches Restaurant „Spencer & Hill“, dort wird derzeit noch renoviert. Das neue „Café de Paris“, im Februar dieses Jahres erst gestartet, hat er kürzlich mit allen einzuhaltenden Hygiene- und Abstandsregeln wiedereröffnet. „Wir schauen jetzt erst einmal, wie es sich entwickelt, bevor wir auch das andere Restaurant aufmachen“, so Thomas. Die ersten Tage seit dem Re-Opening des französischen Brasserie-Bistro-Konzepts seien durchaus positiv gewesen, berichtet er. Er strahlt, trotz allem, viel Optimismus aus: „Wir fangen jetzt quasi wieder komplett von vorne an. Aber wir lassen uns von der Krise nicht klein kriegen.“

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Weltstars nach Köln geholt!

Angefangen hat bei dem gebürtigen Kölner Tom Thomas alles mit Partys. Die schmiss er zusammen mit Freunden parallel zum BWL-Studium und die liefen so gut, dass er irgendwann das Studium schmiss. Vier, fünf Scheine habe er gemacht, aber nach ein paar Semestern war ihm klar, dass es an der Uni nicht weitergeht für ihn – wohl aber in der Eventbranche: Mit HipHop-Konzerten in den frühen Neunziger-Jahren machte sich Thomas überregional einen Namen. Heutige Branchengiganten wie Jay-Z, P. Diddy (damals noch Puff Daddy), Missy Elliott, Destiny’s Child oder die Fugees holte er, zum Teil erstmalig überhaupt, nach Deutschland. Die Partys und Konzerte fanden nicht nur in Köln, sondern auch in Berlin, München und anderen Städten statt.

Zur Jahrtausendwende dann der Schritt ins Club-Business: Drei Jahre lang machte er den Gay-Techno-Club „H-90“ in Köln, baute ab 2004 das „Diamonds“ zum erfolgreichen Club mit auf, 2011 eröffnete er das „Vanity“. Er übernahm 2012 das „Bootshaus“ aus der Insolvenz und schickte es auf die Erfolgsspur: Mit seinen internationalen Top-Bookings – sämtliche DJ-Größen der Electro-Szene von David Guetta über Solomun und Charlotte de Witte bis Tiësto spielten hier schon – wurde es kürzlich vom renommierten „DJ Mag“ zum besten deutschen Club gewählt, weltweit belegt es Platz 6 (2019: Platz 8).

„Ohne unsere Branche werden illegale Events zunehmen.“

Lange freuen konnte man sich über den Platz in den Top Ten nicht, denn fast zeitgleich mit dem Ranking kam der Shutdown. „Alles lief super. Die Unternehmen, der Vorverkauf für die Festivals, und dann stürzt man unerwartet und unvorbereitet in die Katastrophe“, so Thomas. Für einen eingefleischten Unternehmer-Typen wie ihn, der es gewohnt ist, zu agieren, war die Machtlosigkeit und Handlungsunfähigkeit von jetzt auf gleich kaum zu ertragen: „Wie ein Horrorfilm mit einem schlechten Drehbuch, bei dem man denkt: Das kann doch alles nicht sein. Das Schlimmste ist, dass man seiner Verantwortung gegenüber dem Personal kaum gerecht werden kann.“ 90 Festangestellte musste er in Kurzarbeit schicken, das Kurzarbeitsgeld konnte man immerhin von 60 auf 80 Prozent aufstocken. Besonders leid tut es Tom Thomas für die Minijobber: Über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern musste er kündigen. Wie viele von ihnen man zurückgewinnen kann, wenn der Club- und Veranstaltungsbetrieb wieder losgeht, ist völlig unklar. Es gibt zurzeit nicht mal ein Konzept für eine Wiedereröffnung in diesem Bereich. „Das Ganze lebt doch von der Unbefangenheit und von der Nähe: Dass man sich die Hände schüttelt, berührt und umarmt“, so Thomas. Typische Party- und Festivalbilder, die einem dabei vor dem geistigen Auge erscheinen, wirken vor dem aktuellen Hintergrund wie aus einer anderen Zeit. Bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 da ist, könne man nicht vernünftig planen: Ein Rettungsfonds, wie ihn auch der Bundesverband der deutschen Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) dringend fordert, müsse her, so Thomas. Und ebenso eine andere Einordnung der Clubs – als Kulturstätten, nicht als Vergnügungsstätten (übrigens zusammen mit Bordellen und Casinos).

Die damit einhergehende Baunutzungsverordnung gäbe Locations mehr Bestandsschutz und Sicherheit etwa bei neuen Bauvorhaben. Bisher müssen Clubs dann oft weichen, sprich schließen, denn sie werden in den Bebauungsplänen nicht berücksichtigt. Es würde sie aber auch leichter an öffentliche Fördertöpfe heranbringen. Clubkultur als solche anzuerkennen und zu schützen, ist eine Forderung, die der Verband Kölner Clubs und Veranstalter, die „Klubkomm“, der Thomas angehört, ebenso schon seit Jahren stellt wie es die vergleichbaren Verbände in anderen Städten (z.B. die „Clubcommission“ in Berlin oder das „Klubkombinat“ in Hamburg) tun. Immerhin wurde dieses Thema im Februar 2020 im Deutschen Bundestag diskutiert, doch das nützt den Clubs derzeit leider wenig. Tom Thomas gibt zu bedenken: „Man kann die Menschen nicht dauerhaft daran hindern zu feiern. Ohne unsere Branche werden illegale Events zunehmen und unkontrollierbar. Wir sorgen für die Sicherheit der Gäste und die Umsetzung behördlicher Auflagen. Deswegen sind wir so wichtig. Wir brauchen jetzt eine Perspektive und dringend Hilfestellung vom Staat, bis wir wiedereröffnen dürfen.“

„Wir müssen lauter werden und unsere Interessen besser vertreten.“

Ohne unsere Branche werden illegale Events zunehmen und unkontrollierbar. Wir sorgen für die Sicherheit der Gäste und die Umsetzung behördlicher Auflagen. Deswegen sind wir so wichtig. Wir brauchen jetzt eine Perspektive und dringend Hilfestellung vom Staat, bis wir wiedereröffnen dürfen.“

„Arena Now“: Ausverkauf ist garantiert

Laut werden tut es bald auch wieder in (fast) gewohnter Manier in seinem Geschäft: Tom Thomas zeigt uns ein Veranstaltungskonzept, mit dem er der Stagnation die Stirn bietet: „Arena Now“ heißt es, von Juni bis in den November hinein spielen in der Kölner „Lanxess-Arena“ Bands und Solo-Künstler, legen DJs auf und geben Comedians ihren Humor zum Besten. Dafür hat man ein spezielles Raumnutzungs-, Einlass- und Hygienekonzept entwickelt: Die Besucher sitzen jeweils zu viert (jeweils zwei Personen des gleichen Haushalts oder eine Familie) in Plexiglas-Boxen und erleben das Programm live und geschützt. Statt sonst bis zu 18.000 Personen finden nun exakt 896 Besucher Platz, die Ticketpreise liegen um die 50 Euro. „Ausverkaufte Veranstaltungen garantiert“ heißt es mit etwas Augenzwinkern in der Eventbroschüre. Wirtschaftlich besonders attraktiv ist ein so aufwändiges Eventformat zwar nicht, doch darum geht es Tom Thomas auch nicht an erster Stelle. Sondern vielmehr darum, endlich wieder etwas zu unternehmen und das zu tun, was er am liebsten macht: Dafür sorgen, dass Gäste eine gute Zeit haben. „Wenn ich etwas weiter in die Zukunft blicke, dann bin ich sehr positiv gestimmt: Die Menschen brauchen Kommunikation, Genuss und das gemeinsame Feiern. Alte Gewohnheiten werden zurückkommen – und es wird sich Neues entwickeln.“

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TTT – Tom Thomas Timeline

1992 – 1994 Partys
1994 – 2000 HipHop-Konzerte
2001 – 2003 „H-90“, Gay- und Technoclub, Köln
2004 – 2009 „Diamonds Club“
seit 2011 „Vanity Club Cologne“
seit 2012 „Bootshaus Club“
seit 2014 Restaurant „Spencer & Hill“
seit 2017 „Flamingo Royal“
seit 2017 Festivals („Springinsfeld“ 2017, „Nibirii“, „Blacklist“ 2019)
2020 Restaurant „Café de Paris“

www.thomas-group.de